CHRONIK




Der MGV „Sängerlust“ Sutthausen von 1906 im Wandel der Zeiten

zum 100-jährigen Jubiläum von Hans Lakeberg (mit aktuellen Ergänzungen)

 „Was aufgebaut die Alten, das wollen wir in Ehren halten“.


Diese Zeile gilt für den MGV „Sängerlust“ Sutthausen auch noch im heutigen Jubiläumsjahr. Bezeichnet sie doch die ständige Bewegung in der Sängerschaft des Vereins seit dem Gründungsjahr und in den unterschiedlichsten Aktivitäten der vergangenen Jahre bis heute.

An der Aufgabe und Zielsetzung des MGV hat sich nichts geändert: „Pflege des Chorgesangs unter Einbeziehung der Öffentlichkeit sowie Pflege der Geselligkeit“.

 18 Freunde des Gesanges waren es, die im Jahre 1906 im Lokal Sutthauser Bahnhof den Männergesangverein „Sängerlust“ aus der Taufe hoben.

 Der erste Vorsitzende des jungen Vereins war Kaspar Holthaus, Ohrbeck. Mit weiser Umsicht und eiserner Tatkraft hat er den Verein mehr als zwei Jahrzehnte geleitet. August Kriege, damaliger Inhaber der Bahnhofswirtschaft, war der erste Dirigent. Die Übungsabende, Versammlungen und Festlichkeiten fanden in seinen Räumen statt. Bei dem regen Interesse, das dem Verein von der Bevölkerung entgegengebracht wurde, fanden sich immer mehr Sangesfreunde, die sich dem Verein anschlossen.

 Im Jahre 1909 erhielt der Verein eine geschmackvoll gearbeitete Fahne. Im Anschluss an die Fahnenweihe beging der Verein sein erstes öffentliches Fest, zu dem viele Brudervereine aus der Nachbarschaft erschienen waren. Durch die hell und kraftvoll ertönenden Lieder war der Kontakt zur Bevölkerung bald hergestellt. Im Laufe der Jahre besuchte der Verein des Öfteren die Brudervereine der Umgebung. Zu manchem Verein entwickelte sich ein echtes Freundschaftsverhältnis.

Tiefgreifende Einschnitte im Vereinsleben waren die beiden Weltkriege. Viele Sänger wurden zur Wehrmacht einberufen; mancher kehrte aus den Kriegen nicht in die Heimat zurück. Die wenigen in der Heimat verbliebenen Sänger trafen sich aber trotzdem allwöchentlich im Vereinslokal, um die Verbindung untereinander aufrechtzuerhalten.

Nach beiden Kriegen stiegen die Mitgliederzahlen jeweils wieder an, und so wurde der Verein stets leistungsfähiger.

Nach dem 1. Weltkrieg wurde das Übungslokal in die Sutthauser Mühle verlegt, wo bis zum heutigen Tag jeden Donnerstag fleißig geprobt wird.

Zum zweiten Dirigenten wurde Lehrer Eduard Degenhard verpflichtet, aber bereits 1923 übernahm Lehrer Bernhard Birkemeyer die Chorleitung. Liedervater wurde 1928 Ludwig Dransmann und 1930 Fritz Dransmann. In diesem Jahr zählte der Verein 41 aktive Sänger. Im Jahre 1934 wurde Johannes Holthaus vierter Liedervater des Vereins; die Chorleitung übernahm Lehrer Theo Kästner.

Nach dem 2. Weltkrieg stieg die Zahl der Sänger bald auf 65 an; viele Sangesfreunde bekundeten durch ihren Beitritt als passive Mitglieder ihr Interesse zur Förderung des Vereins.

Am 24. Oktober 1948 trat der Verein erstmals mit einem Chorkonzert an die Öffentlichkeit. Die Resonanz war derart positiv, dass dieses Konzert inzwischen nicht mehr aus dem Jahresprogramm wegzudenken ist. Im Verlauf der nächsten Jahre fanden die Herbstkonzerte in den Sälen „Wulfter Turm“ und „Kasino Hotel“ statt. 1980 hatte der Verein erstmals Gelegenheit in der „Ehemaligen Kirche“ in Hagen aufzutreten. Um der großen Zuhörernachfrage gerecht werden zu können, findet seit 1986 das Herbstkonzert an zwei aufeinander folgenden Tagen statt. Die Kritiker der Presse bescheinigten dem MGV „Sängerlust“ einen hohen gesanglichen Leistungsstand. Die Herbstkonzerte liefen nicht immer nach einem Schema ab. Zur Bereicherung des Programms wirkten im Verlauf der Jahre außer dem MGV noch weitere Interpreten mit, seien es Solisten oder Instrumentalisten.

Besondere Gelegenheiten, sein Können unter Beweis zu stellen, nutzte der MGV auch durch die Teilnahme an Sängerwettbewerben. Erstmalig nahm der Chor an einer derartigen Veranstaltung im Jahre 1955 in Dülmen teil. Es folgten daraufhin weitere Teilnahmen, 1957 in Appelhülsen, 1960 in Atter, 1962 und 1977 in Lingen sowie 1997 in Helden. In den Jahren 1985 bis 2010 folgten wir schließlich sieben Mal dem Ruf nach Haldem.

Viele Preise konnten in den Wettbewerben mit anderen namhaften Chören errungen werden. Die vielen Pokale haben ihren Platz im sehr wertvollen Notenschrank in der Bauernstube des Vereinslokals. Die hervorragende künstlerische Gestaltung lag in den Händen des Bildhauers Josef Holthaus.

Eine besondere Herausforderung stellte die Teilnahme am Chorwettbewerb des NDR 1 Radio Niedersachsen, „Niedersachsen singt“ für uns dar. Von 440 teilnehmenden Chören kamen wir unter die letzten fünf. Davon gingen wir als bester Männerchor hervor. Ebenfalls überregional war die Teilnahme am Chorwettbewerb des Chorverbandes Niedersachsen-Bremen (CVNB) in der Universität Hildesheim. Unser Bekanntheitsgrad steigerte sich noch durch die Mitwirkung bei der Aufzeichnung der bekannten Fernsehsendung des Saarländischen Rundfunks „Kein schöner Land“.

1961 legte der Liedervater Johannes Holthaus seinen Vorsitz aus gesundheitlichen Gründen nieder. 26 Jahre hatte er dem Chor mit Idealismus vorgestanden. Er wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Zum neuen 1. Vorsitzenden wurde Friedel Niebäumer gewählt.

Das Jahr 1965 brachte dem Verein einen traurigen Einschnitt. Am 14. August verstarb Chormeister Theo Kästner. Er hatte fast 30 Jahre lang den Dirigentenstab geführt und den MGV „Sängerlust“ zu einem leistungsstarken Chor herangebildet. Höhepunkt seines Wirkens und somit auch Höhepunkt des Chores sah Theo Kästner in der Mitwirkung bei der Aufführung des „Requiems“ von Dvorak im Theater am Domhof. Die Nachfolge trat der Cellist und Musikerzieher Heinrich Knell an, der bis 2009 unseren Chor leitete; ihm folgte der Kantor der evangelischen Osnabrücker Südstadt-Kirchengemeinde, Jörg Spaude.

Der MGV „Sängerlust“ war stets bereit, an kirchlichen und kulturellen Veranstaltungen im Gemeindebereich mitzuwirken, so zum Beispiel bei Pfarrgemeindefesten, bei Kirchenjubiläen oder anderen Jubiläen sowie bei Einweihungsfeiern. Seit 2003 wirkten wir im Gottesdienst anlässlich des Weihnachtsmarktes in Sutthausen mit.

Als kleine Anerkennung für sein kulturelles Engagement erhielt der MGV 1996 den Bürgerpreis des SPD-Ortsvereins Sutthausen.

Der Chor suchte im Verlauf der Jahre stets nach neuen Gelegenheiten, den Männergesang zu pflegen. So bestritt er gemeinsam mit dem MGV Akkordeon Osnabrück und dem MGV Belm ein gemeinsames Chorkonzert im Konzerthaus des Staatsbades Bad Salzuflen. In den darauffolgenden Jahren erhielten wir weitere Einladungen, Kurkonzerte darzubieten, so in Bad Essen, Bad Iburg und Bad Rothenfelde. Auch die Mitwirkung beim jährlichen Wunschkonzert der Osnabrücker Chöre in der Stadthalle gehört zum Jahresprogramm.

Den vielfältigen Einladungen zu Stiftungs- und Sängerfesten, die aufgrund der freundschaftlichen Beziehungen zu auswärtigen Vereinen an uns ergingen, ist der Chor ebenfalls gerne nachgekommen. Da unser Chorleiter Heinrich Knell auch den MGV Belm musikalisch leitete, verband uns mit diesem Nachbarverein eine gemeinsame Freundschaft. Jährlich fand einmal ein gemeinsames Treffen statt.

Friedel Niebäumer musste 1969 leider wegen ernsthafter Erkrankung als 1. Vorsitzender zurücktreten. Er wurde zum Ehrenmitglied ernannt. Zu seinem Nachfolger als 6. Liedervater seit Bestehen des Vereins wurde Friedel Lauxtermann gewählt. Friedel Niebäumer starb am 3. September 1970. Am 29.12.1977 verstarb unser langjähriger Freund und Ehrenvorsitzender Johannes Holthaus und am 10.01.1981 unser Ehrendirigent Bernhard Birkemeyer.

Ebenfalls aus Krankheitsgründen musste Friedel Lauxtermann 1991 seinen Posten als Liedervater aufgeben. Auch er wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Zu seinem Nachfolger wurde Bernhard Köhne gewählt, der auch heute noch die Geschicke des Vereins leitet. Am 30.01.2000 verstarb unser Ehrenvorsitzender Friedel Lauxtermann.

Wenn es sich der MGV „Sängerlust“ zur Aufgabe gemacht hat, in erster Linie den Chorgesang zu pflegen, so sind hier aber auch Frohsinn und Geselligkeit zu Hause. Im Verlauf der Vereinsgeschichte sind hier u. a. Nikolausfeiern, Familiennachmittage, der Tanz in den Mai, Tennenparties und Karnevalsveranstaltungen zu nennen.

Der Verein hat es aber auch immer wieder verstanden, sich auf geselligem Gebiet veränderten Tendenzen anzupassen. So wurden einige traditionelle Veranstaltungen aufgegeben und dafür nach neuen Formen der Geselligkeit gesucht.

So sind derzeit die Maiwanderung, das Herbstfest und gemeinsame Essen zu nennen. Statt eigener Karnevalsveranstaltungen wirken wir seit mehreren Jahren beim Volkskarneval der Holzhauser Vereine mit.

Die eintägigen Sommerausflüge wurden in den vergangenen Jahren zu mehrtägige Fahrten ausgeweitet. Ziele waren u. a. Frankfurt a. Main, Mainz, Bamberg, Hamburg, Leipzig und Berlin. Hierbei konnten wir viele neue Eindrücke in den verschiedenen Regionen gewinnen. Besondere Höhepunkte waren auch jeweils die gesangliche Mitwirkung bei den Gottesdiensten in den prächtigen Basiliken und Domen.

Das Wirken der Männerchöre unterliegt einer ständigen Wandlung. Im Zeitalter der Medien müssen sie sich im eigenen Vereinsleben und besonders in der gesanglichen Darbietung diesen Veränderungen anpassen. Hier sei erwähnt, dass der MGV in einem Aufnahmestudio zwei CDs aufgenommen hat mit dem breitgefächerten Repertoire unserer Chorwerke sowie einer Weihnachts-CD.

Die Zukunftsproblematik der Männerchöre wurde auch auf einem Symposium im Jahre 2003 in Bremen erörtert, zu dem unser Chor eingeladen war.

100 Jahre sind für einen Verein, insbesondere wenn er zwei Weltkriege und Zeiten wirtschaftlichen Niedergangs überdauern musste, eine lange Zeit. Die Zahl der aktiven Sänger beträgt im Jubiläumsjahr 49; viele Sangesfreunde bekunden nach wie vor durch ihren Beitritt ihr Interesse zur Förderung des Vereins.

Da in unserem Jubiläumsjahr auch das Mozartjahr begangen wird, wird auf der Feierstunde, auf der dem MGV „Sängerlust“ die besondere Auszeichnung der „Zelter-Plakette“ des Bundespräsidenten vom Niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff überreicht wird, der folgende Chorsatz dieses Universalgenies erklingen:

            „Brüder, reicht die Hand zum Bunde!

            Diese schöne Feierstunde führ uns hin zu lichten Höhn.

            Lasst, was irdisch ist, entfliehen!

            Unsrer Freundschaft Harmonien dauern ewig fest und schön“!

Durch dieses Vermächtnis mögen dem MGV noch viele schaffensreiche und glückliche Tage beschieden sein.









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